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04/2007 - Badische Zeitung - Gelbe Haut und vier Finger

Vor 20 Jahren lief die US-Zeichentrickserie "Die Simpsons" von Matt Groening erstmals im TV

Springfield, irgendwo in den USA. Ein Viertklässler mit butterblumengelber Haut und nur vier Fingern an jeder Hand schreibt eine Strafarbeit an die Tafel: Meine Hausaufgaben wurden nicht von einem einarmigen Mann gestohlen. Oder: Ein Rülpser ist keine Antwort. Oder: Ich soll anderen nicht das Fliegen beibringen. Der Junge heißt Bart Simpson und mit einem solchen Tafelwitz beginnt jeder Vorspann der Zeichentrickserie "Die Simpsons", die man jeden Tag mindestens einmal auf Pro Sieben sehen kann. Sie liefert dem Sender regelmäßig Quoten von bis zu 25 Prozent bei den 14- bis 29-Jährigen. 1987 wurde die gelbe Familie von dem Amerikaner Matt Groening erfunden. In Deutschland kennt man sie seit 1991. Heute gibt es die Simpsons in 120 Ländern. In den USA läuft derzeit die 18. Staffel und im Mai die 400. Folge.
Zur Familie des rotzfrechen Bart gehört auch sein geistig unterbemittelter, deswegen aber nicht unsympathischer Vater Homer, ein übergewichtiger Glatzkopf, der im örtlichen Atomkraftwerk arbeitet. Barts Schwester Lisa ist in der zweiten Klasse und Streberin. Mutter Marge besticht durch ihre meterhohe blaue Turmfrisur, ist immer auf Moral bedacht und wiegt Nesthäkchen Maggie.
Schon in der Konzeption der Hauptfiguren zeigt sich ein Aspekt der Serie, der wesentlich für deren Erfolg veantwortlich ist: Die Simpsons sind eine mitunter bitterböse Satire auf sämtliche Bereiche der US-amerikanischen und generell der westlichen Gesellschaft. Fernsehjunkies, Fast-Food-Liebhaber, Schönheitsfanatiker, Spießer, Radikalfeministinnen, Fitness-Gurus, regiliöse Eiferer, Waffennarren, Konsumverrückte - jeder kriegt sein Fett weg. Auch das Zeichentrickgenre selbst findet sich in der blutrünstigen Serie in der Serie "Itchy & Scratchy" verhöhnt.
Matt Groening und sein Team setzen sowohl auf Gewohnheitsfaktor als auch auf die Thematisierung von aktuellen Ereignissen aus Politik und Medien. Die Simpsons und die übrigen Charaktere der Springfielder Welt sind in den 20 Jahren nicht gealtert, jede Folge ist in sich abgeschlossen und stellt am Ende den status quo ante wieder her. Dazu gibt es zahlreiche einmalige Auftritte von Stars und Politikern. Keine dieser Figuren wird wirklich unsympathisch dargestellt, sondern wenn dann dümmlich und dadurch lächerlich gemacht. Außerdem werden die Fehler der berühmten Pesönlichkeiten - ob vermeintlich gut oder böse - völlig überspitzt. Dadurch werden sie zu Menschen wie du und ich, etwa der frühere Prasident George Bush im Nachbarschaftsstreit mit Homer.
Wer die Satire auf die Gesellschaft und die aktuellen Anspielungen nicht versteht, lacht eben darüber, dass Bart mal wieder seinen nackten Po vor versammelter Schülerschaft zeigt oder Homer allein dadurch einen GAU verhindert, dass er sich mit einem Abzählreim zufällig für den richtigen Knopf entscheidet. So kann jeder die Simpsons lustig finden, gar seine Sehgewohnheit als intellektuell bezeichnen, selbst wenn garantiert auch Erwachsene nicht alle Anspielungen verstehen und genauso aus reiner Schadenfreude lachen wie manches Kind.
Was so viele Zuschauer vor den Fernseher lockt, lässt sich natürlich auch gut vermarkten: vom Homer-Simpson-Fischköder bis zum handgemalten Bild der Anfangssequenz für schlappe 1700 Dollar kann man im offiziellen Fanshop alles bestellen. Jährlich werden mehr als 20 Milliarden Dollar mit Merchandising eingenommen.
Die Simpsons sind Kult und werden wohl auch weitere 20 Jahre mindestens noch als Wiederholung im Fernsehen laufen. Bis Mai 2008 ist die Serie bereits offiziell verlängert und Ende Juli kommt der seit langen angekündigte Simpsons-Film in die Kinos.

Originalartikel


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