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09/2001 - Rhein-Zeitung - Fox-Studio stoppt "Simpson" Buch

Mainzer Studenten schreiben Buch über die "Simpsons" - Amerikanischer Medienkonzern sieht Urheberrecht verletzt

Mainzer Filmwissenschaftler publizierten ein Buch über die Fernsehserie "Die Simpsons". Morgen müssen sie es wohl aus dem Verkehr ziehen. 20th Century Fox klagt auf Urheberrechtverletzung.

MAINZ. Wer ist gelb und zynisch? Die Simpsons. Die amerikanische Fernsehserie läuft auch hier zur besten Sendezeit und fand an der Mainzer Universität Freunde. Im August publizierten diese ein Buch über die Zeichentrickgestalten. Insgesamt neun Autoren trugen dazu bei, viele davon Filmwissenschaftler. Ein Stuttgarter Professor leitet das Werk mit einem Essay ein. Co-Autor Jörg Kachel informiert: "Die Serie kankiert die amerikanische Gesellschaft der Post-Postmoderne gnadenlos. Genau diese Ansätze will unser buch kritisch darlegen." Erfolgreich, denn die erste Auflage ist mit 2000 Exemplaren fast verkauft und die Kritik lobt ebenfalls. Nur die Simpsons-Macher nicht: Eine Klage des US-Medienkonzerns 20th Century Fox erreichte den publizierenden Schüren-Verlag drei Tage nach Veröffentlichung. Laut Geschäftsführerin Anette Schüren sieht der Konzern Urherberrechte verletzt. Man habe den Titel "Die Simpsons" nicht nützen dürfen, da dieser ein Markenname sei. Auch sei man in Hollywood über die Nutzung von Bildern aus der Serie unzufrieden. "Aber wenn ich ein Buch über eine mediale Sache mache, sind Bildzitate absolut notwendig", erklärt Schüren. "Wenn ein solcher Konzern die Inhalte wissenschaftlicher Forschung beschneidet, haben wir ein Problem." In Amerika sei es üblich, sich auch in wissenschaftlichen Publikationen mit Filmen und Serien auseinander zu setzen. Die "Police of Fair Use" gestatte diesen Werken sogar verfassungsrechtlich die Nutzung von Bildzitaten. In Deutschland betrete man allerdings eine juristische Grauzone, so Co-Autor Andreas Rauscher. Es droht eine Rückrufaktion der bisher unverkauften Exemplaren: Obwohl sich der Verlag im Recht fühlt, kann er das Risiko einer Gerichtsverhandlung nicht eingehen. "Eine Niederlage im Prozess würde das Ende unseres Verlages bedeuten", sagt Schüren, " eine zweite Auflage des Buches wird es daher in dieser Form wohl nicht geben." Obwohl die Verkaufszahlen dafür sprächen. Das verhalten des amerikanischen Senders ist für den Urheberschutz bei einem solchen Markennamen nicht ungewöhnlich, der rein wissenschaftliche Charakter des Schüren-Buches von Kritik und Lesern aber auch fraglos bestätigt worden. Die Studenten werden weiterhin ihre "Simpsons" anschauen, so Kachel, auch wenn die Buch-Misere ein erster Fleck auf ihre wissenschaftliche Reputation sein könnte.

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